Lesetipps und Leseflops

aktualisiert: Juni 2013

Ein sehr subjektives Sammelsurium von in letzter Zeit gelesenen Büchern. Literarisches, Unterhaltsames, Spannendes und manchmal Langweiliges, sehr subjektiv beurteilt und der Gerechtigkeit halber alphabetisch sortiert!

  • Unputdownable: Das ist Englisch und heisst, man kann's nicht aus der Hand legen.
  • LVA: Lesevorgang abgebrochen. Ich finde, das Leben ist zu kurz, um Bücher zu Ende zu lesen, durch die man sich quälen muss.
  • DQ: Wenn man sich trotz allem durchgequält hat.
A

Friedrich Ani Süden

Ist das überhaupt ein Krimi? Ohne Leiche? Ohne Verbrechen? Süden ist der Name des Protagonisten Tabor Süden. Der war früher Polizist auf der Vermisstenstelle in München. Jetzt kehrt er als privater Ermittler zurück. Er sucht einen verschwundenen Wirt, und gleichzeitig seinen Vater. Dieses Buch ist wunderbar erzählt, in langsamem Tempo und mit einem sehr melancholischen Unterton. Süden treibt durch München, trifft die unterschiedlichsten Menschen, trinkt sehr viel Bier und erinnert sich immer wieder schmerzhaft an seinen Vater, der die Familie verlassen hat, als Süden ein Kind war. Am Ende findet Süden beide… Unputdownable

B

Kristin Marja Baldursdóttir Die Eismalerin

Im Mittelpunkt dieses Romans steht Karitas, die jüngste Tochter der verwitweten Steinunn Olafsdóttir. Die Namen verraten es schon, dieser Roman spielt in Island, am Anfang des 20. Jahrhunderts. Baldursdóttir zeichnet ein faszinierendes Bild einer fremden Welt, in der die Sommer kurz, der Winter hart, der Fischfang alles und die schönen Künste gar nichts sind: Karitas will Malerin werden, findet eine Mäzenin, die ihr eine Ausbildung in Kopenhagen finanziert, aber dann kommt die Liebe dazwischen und ein nicht geplantes Kind. Die Beziehung von Karitas und Sigmar ist so stürmisch wie die isländische See, und Karitas' Weg als Malerin ist alles andere als geradlinig, aber genau das macht diesen Roman so fesselnd und atmosphärisch dicht. Unputdownable

Zsuzsa Bánk Die hellen Tage

Dieses Buch, das seit einiger Zeit in einer günstigen Taschenbuchausgabe vorliegt, hat mich bewegt und gefesselt wie schon lange kein Buch mehr. "Die hellen Tage" ist Kindheitsgeschichte, Entwicklungsroman und Familienepos in einem. Im Mittelpunkt steht die Freundschaft der Ich-Erzählerin Therese mit Aja, Tochter von Zirkusleuten, die mit ihrer Mutter Evi am Rand des fiktiven Dörfchens Kirchblüt lebt, irgendwo im Süddeutschen, nicht allzuweit von Heidelberg. Nur einmal im Jahr kommt Ajas Vater, der Trapezkünstler Zigi, auf Besuch zu seiner Familie. Zu den beiden Freundinnen gesellt sich schließlich ein drittes Kind, Karl. Die drei Kinder wachsen unzertrennlich auf, gehen schließlich gemeinsam nach Rom - und natürlich bringt die Liebe irgendwann das Dreieck aus dem Lot. Was über lange Strecken wirkt wie ein Heile-Welt-Roman endloser Sommer und Spiele, entwickelt sich immer mehr zu einer Geschichte der Brüche, Verletzungen und auch des Verrats. Zsuzsa Bánk erzählt von Freundschaft und Liebe, vom Erwachsenwerden, von Wunden, die geheilt werden, und Wunden, die offenbleiben. Dies alles in einer wunderbar eigenen, poetischen Sprache, die nahezu komplett ohne direkte Rede auskommt. Als Ferienlektüre absolut empfehlenswert, weil es gut ist, wenn man "dranbleiben" kann. Unputdownable

Alan Bennett Die souveräne Leserin/The Uncommon Reader

Die Story ist simpel: Die Queen entdeckt hinter ihrem Palast einen Bücherbus und schlittert in das größte Abenteuer ihres Lebens: das Lesen! Das wirkt sich sogar auf ihre repräsentativen Pflichten aus… Ein kleines, feines, wunderbares, sehr englisches Büchlein mit sehr englischem Humor über die Macht der Bücher. Unputdownable

Alan Bennett Smut. Two unseemly stories

"Smut" erscheint unter dem mehr als passenden Titel "Schweinkram" im August 2012 auf Deutsch. Dabei hat Bennett hier keineswegs zwei pornographische Geschichten geschrieben, vielmehr konfrontiert er seine sehr alltäglichen, ziemlich verklemmten Helden in einer Weise mit dem Thema Sex, mit der sie nun überhaupt nicht gerechnet hätten. Wie sie damit zurecht (oder besser: nicht zurecht) kommen, das erzählt Bennett lakonisch und trocken, manchmal sehr drastisch-direkt und dann doch wieder irgendwie (scheinbar) unschuldig. Dabei haut er dem Leser manchmal in einem Halbsatz eine dramaturgisch fundamental wichtige Info um die Ohren, so dass man höllisch aufpassen muss, nur ja nichts zu verpassen. Genial komponiert und ein großes Lesevergnügen. Unputdownable

Rita Mae Brown Jacke wie Hose/Bingo

Rita Mae Brown ist bei uns vor allem durch ihre Katzenkrimis bekannt geworden. Die kenne ich nicht, aber eines meiner Lieblingsbücher ist seit vielen Jahren der Roman "Jacke wie Hose". Darin erzählt Brown die Geschichte zweier Schwestern, Louise und Julia Hunsenmeir, die zusammenhängen wie Pech und Schwefel, sich aber auch gegenseitig in die Pfanne hauen, wo’s nur geht. Der Roman beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts, spielt in dem kleinen Örtchen Runnymede und bettet die Familiengeschichte ein in die amerikanische Geschichte von Krieg, Arbeitskämpfen und Prohibition. Rita Mae Brown, seit Jahren engagiert in der amerikanischen Lesbenbewegung, zeichnet dabei eine Reihe wundervoller Frauencharaktere. Der Roman ist durchdrungen von einer großen Sympathie zu den Figuren, lustig und traurig zugleich und wunderbar geschrieben. In der Fortsetzung ("Bingo") sind die beiden Schwestern alt und immer noch am Streiten (diesmal um einen Mann). Auch das ist eine schöne Geschichte, aber ihr fehlt der Tiefgang des ersten Teils, der durch die historische Einbettung entsteht. Fazit: Wer nach diesen Büchern nicht fröhlich ist, ist selber schuld.

C

Jen Campbell Weird things customers say in bookshops

Dieses Büchlein habe ich zufällig in einer englischen Buchhandlung entdeckt, bin aus dem Lachen nicht mehr herausgekommen und musste es gleich mitnehmen. Wie der Buchtitel schon sagt, geht es um seltsame Dinge, die Menschen in Buchhandlungen sagen und tun, gesammelt in Edinburgh, London und der Welt. Das wirft nicht immer ein gutes Licht auf die Kunden und die Ignoranz, mit der sie sich offensichtlich in Buchhandlungen bewegen. Am Ende ist man geneigt, der Buchhändlerin seines Vertrauens herzliches Beileid auszusprechen. So wird beispielsweise aus der Suche nach "The lion, the witch and the wardrobe", in Deutschland besser bekannt als "Die Chroniken von Narnia" folgende Anfrage: "Do you have this children’s book I’ve heard about? It’s supposed to be very good. It’s called Lionel Richie and the Wardrobe." Unputdownable and very, very funny

Chris Cleave Little Bee

An einem Strand in Nigeria treffen das nigerianische Mädchen Little Bee und das Londoner Mittelstandspärchen Sarah und Andrew aufeinander. In Nigeria tobt der Kampf ums Öl. Little Bee ist auf der Flucht vor erbarmungslosen Jägern, die ihr Dorf niedergebrannt und ihre Familie getötet haben. Aus der zufälligen Begegnung entwickelt sich eine Katastrophe, die das Leben und das Schicksal von Sarah, Andrew und Little Bee verändern wird. Jahre später kommt Little Bee in England aus der Abschiebehaft in England und kündigt Andrew telefonisch ihren Besuch an. Kurz darauf bringt Andrew sich um. Die Geschichte von Sarah und Little Bee verschmilzt nun zu einer einzigen…

Abwechselnd aus Sarahs und Little Bees Perspektive erzählt, ist dies eine Geschichte über Afrika und Europa, über Wohlstand und Armut, über die Frage, warum man in welcher Welt geboren ist und darüber, ob unsere Welt tatsächlich "entwickelter" ist, wie wir oft so arrogant meinen. Dahinter steht letztlich die Frage: Lässt man sich von Leid und Unglück anrühren, oder stellt man sich auf den Standpunkt, dass es doch letztlich keinen Unterschied macht, ob man einem einzigen Menschen hilft oder nicht?

Letztlich geht es jedoch darum, ob man sich von Leid und Unglück anrühren lässt oder ob man sich auf den Standpunkt stellt, dass einem Menschen zu helfen, doch letztlich sowieso keinen Unterschied macht. Dies ist ein ziemlich brutales Buch, das gleichzeitig an vielen Stellen komisch und humorvoll ist - und nicht zuletzt atemberaubend spannend. Chris Cleave schont uns nicht. Er exerziert seine Geschichte durch bis zum Ende und zaubert am Ende keinen überraschenden Trick aus dem Hut, um uns ein Happy End zu gönnen. Das ist beim Lesen hart, aber nur konsequent. Unputdownable

D

Irene Dische Clarissas empfindsame Reise

Schon "Großmama packt aus" hat mich absolut begeistert. Disches neuer Roman "Clarissas empfindsame Reise" reicht daran vielleicht nicht ganz heran, ist aber trotzdem ein großartiges Buch, eine Art Roadmovie: Clarissa reist aus Liebeskummer durch die USA, ihr Ziel ist New York. Auf ihren vielen (Um)Wegen begegnet sie lauter seltsamen (oder ganz normalen?) Männern. Sehr lakonisch, sehr knapp, sehr unbarmherzig. Unputdownable

F

Gillian Flynn Gone Girl. Das perfekte Opfer

Au Mann, was für ein Buch! Der Megaseller "Gone Girl" hat Deutschland erreicht. Ich lese eigentlich keine Thriller, hatte keine Ahnung, um was es geht, und habe das Buch in der Hoffnung gekauft, dass es ohne Blutbäder auskommt. Um es gleich vorwegzunehmen, es gibt keine Blutbäder. Na ja, nur ein kleines. Ansonsten ist das mehr ein Psychothriller, nämlich die Beziehungsgeschichte des Ehepaars Amy und Nick Dunne. Am Morgen ihres 5. Hochzeitstages verschwindet Amy spurlos, und Nick gerät unter Mordverdacht. Im ersten Teil wird uns dies aus Nicks‘ Sicht erzählt, dazwischengeschaltet sind Tagebucheinträge von Amy aus den Jahren zuvor. Was im zweiten Teil passiert, kann ich hier nicht verraten, sonst ist der Witz weg. Das Fiese an diesem Buch: Man weiß sehr, sehr lange nicht, ob Nick wirklich ein Mörder ist oder nicht, und was wirklich mit Amy passiert ist. Nick und Amy sind beide alles andere als moralisch perfekt. Sie schenken sich nichts. Da sie sich aber abwechselnd gegenseitig die Schuld am Scheitern ihrer Beziehung zuschieben, weiß man nie, was man ihnen wirklich glauben soll. Und obwohl die Handlung immer dramatischer wird, gelingt es Flynn bis zuletzt, dass man sowohl mit Nick als auch mit Amy mitfiebert und beiden nie die Sympathie entzieht. Trotz ihrer psychopatischen Züge wirken sie nämlich irgendwie total normal, wie Leute, die man kennt, und genau das macht diesen Roman so perfide und verstörend… Unputdownable

Max Frisch Homo faber

Zum hundertsten Geburtstag wiedergelesen. Ein Buch, das mich seit vielen Jahren begleitet und immer wieder begeistert. Frischs Sprachstil, kurz, prägnant, großartig. Und zeitlos! Zitat gefällig? Manie des Technikers, die Schöpfung nutzbar zu machen, weil er sie als Partner nicht aushält, nichts mit ihr anfangen kann; Technik als Kniff, die Welt als Widerstand aus der Welt zu schaffen, beispielsweise durch Tempo zu verdünnen, damit wir sie nicht erleben müssen. Hallo, Stuttgart-21-Bauer, seid ihr noch da? Unputdownable

H

Wolf Haas Komm', süßer Tod

An Wolf Haas scheiden sich die Geister. Die einen finden seinen Sprachstil, der nahezu ohne Verben auskommt, nervig, ich find's schlicht genial. Lakonisch, makaber, bitterböse. In seiner Reihe um Privatdetektiv Brenner lässt er in diesem Buch den Brenner als Fahrer eines Rettungswagens über Leichen stolpern und wäre am Ende beinahe selber eine… Unputdownable

Wolf Haas Das Wetter vor 15 Jahren

Das soll eine Liebesgeschichte sein?? Wolf Haas schafft es mal wieder, zu polarisieren, in diesem Fall: mich. Ich finde diesen Roman großartig und gleichzeitig hat er mich in den Wahnsinn getrieben. Das ganze Buch besteht aus einem Interview des (fiktiven) Autors Haas mit einer "Literaturbeilage", ist also als Dialog geschrieben. Haas hat angeblich einen Roman über Vittorio Kowalski veröffentlicht, der aus Liebe zu seiner Jugendfreundin Anni das Wetter in ihrem Dorf in den Alpen in- und auswendig kennt. Und zwar von jedem Tag, über einen Zeitraum von 15 Jahren. Damit tritt er dann bei "Wetten, dass", an. Fünf Tage (!) dauert das Interview über dieses Buch, in dem mit großer Ausführlichkeit über alles Mögliche gesprochen wird, zum Beispiel über Luftmatrazen oder eben das Wetter, bloß nicht über die Liebesgeschichte selber. Das ist überwiegend sehr, sehr lustig und wie immer großartig geschrieben, manchmal hätte ich aber auch ein Streichholz an dieses Buch halten können… Manchmal unputdownable, manchmal zum Aus-dem-Fenster-werfen

Katharina Hagena Der Geschmack von Apfelkernen

Iris erbt das Haus ihrer Großmutter Berta im Norddeutschen und macht sich daran, ihre Familiengeschichte zu erforschen, die vor allem eine Geschichte von Frauen ist. Allmählich kommt sie einigen gut gehüteten Familiengeheimnissen auf die Spur. Eine leicht erzählter Roman, der einen in den Bann zieht, und gleichzeitig eine zarte, komische Liebesgeschichte. Manchmal beschleicht einen allerdings das Gefühl, die Autorin hat sich ein bisschen zu offensichtlich die Familiensagas des lateinamerikanischen "Magischen Realismus" zum Vorbild genommen.

Tony Hawks Mit dem Piano in die Pyrenäen. Wie ich lernte, unter lauter Franzosen zu leben

Der Engländer Tony Hawks reiste vor einigen Jahren die irische Küstenlinie mit einem Kühlschrank ab, weil er eine Wette verloren hatte, und machte daraus das wirklich lustige Buch "Mit dem Kühlschrank durch Irland". Leider hat man bei seiner wieder autobiographischen Frankreich-Erzählung permanent das Gefühl, Hawks suchte dringend einen Aufhänger und wollte vielleicht an den Erfolg von Peter Mayles Südfrankreich-Geschichten anknüpfen. Zusammenfassung: Er kauft sich ein Haus in den Pyrenäen, trifft lustige Franzosen, die nicht ganz kompatibel sind mit englischer Mentalität, und sucht die Liebe seines Lebens. Ganz nett, aber es haut einen nicht grad vom Sofa.

Wolfgang Herrndorf Tschick

Dies ist ein ganz wunderbares Buch, voller Komik und Tragik. Maik ist vierzehn, seine Mutter ist Alkoholikerin, sein Vater bankrott und in der Schule ist er ein Außenseiter. Außenseiter ist auch der neue Mitschüler Andrej Tschichatschow, kurz Tschick, ein russischer Aussiedler. In den Sommerferien geht die Mutter zur Entziehungskur und der Vater verreist mit seiner Geliebten, sprich: Maik ist allein und hängt am elterlichen Pool herum, doch dann kreuzt Tschick mit einem geklauten Lada auf. Damit beginnt eine durchgeknallte Odyssee mit fast mythischen Begegnungen, die nicht besonders glücklich endet. Mehr soll nicht verraten werden. Ein wunderschöner Roman über die Tragik des Erwachsenwerdens, das Versagen der Eltern und Institutionen und trotz allem auch: über das Glück. Manchmal ist die Beziehung zwischen Maik und Tschick ein bisschen zu poetisch angehaucht, und den Asi nimmt man Tschick nicht so ganz ab, aber das ist auch das Einzige, was man diesem Buch vorwerfen kann. Ganz großartig ist die Sprache, schnodderig-jugendlich und gleichzeitig sehr lustig und voller Poesie. In einem Rutsch durchgelesen! Zum Heulen ist, dass dieser großartige Autor an einem Hirntumor leidet. Er schreibt darüber in einem Blog: www.wolfgang-herrndorf.de. Unputdownable

James Hilton Der verlorene Horizont

Erst vor kurzem habe ich diesen 1933 erschienenen Klassiker in die Finger bekommen. Zum Glück! Der Roman "Lost Horizon" erschien auf deutsch zunächst unter dem Titel "Irgendwo in Tibet". Hilton entwirft darin die Utopie eines Klosters irgendwo im Himalaya, in dem die Menschen glücklich sind, sich der Lektüre, der Meditation und dem geistigen Austausch widmen und das Geheimnis der Unsterblichkeit entdeckt haben. Das Kloster thront oberhalb eines idyllischen Tales mit ebenfalls glücklichen Menschen und ist von der Außenwelt praktisch komplett abgeschnitten. Dorthin verschlägt es nach einem Flugzeugabsturz einen britischen Diplomaten namens Conway, seinen Assistenten Mallinson, eine englische Missionarin und einen amerikanischen Abenteurer. Conway, aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird, findet nach einiger Zeit heraus, dass es kein Zufall ist, dass die vier im Lamakloster Shangri-La gelandet sind. Mehr soll hier nicht verraten werden. Man spürt in dem ganzen Roman Hiltons Grauen angesichts des vergangenen Weltkriegs und seine Ahnung von all dem Schrecklichen, das da kommen wird. Das liest sich so spannend wie ein Abenteuerroman und ist doch gleichzeitig eine Art philosophischer Entwurf, durchdrungen von Hiltons Sehnen nach einer Welt, in die Menschen in Frieden leben und in der andere Werte zählen als Macht und Geld. Doch der pessimistische Schluss legt nahe, dass Hilton daran selber nicht recht glaubte. Ein wunderbares kleines Büchlein!

A.M. Homes This book will save your life/Dieses Buch wird ihr Leben retten

Richard Novak heißt der Protagonist des Buchs mit dem anmaßenden Titel, und da er ein Mann ist, bin ich ganz automatisch davon ausgegangen, dass auch der Autor männlich ist. Stimmt aber nicht. Die amerikanische Autorin A.M. Homes versetzt sich sehr überzeugend hinein in die Psyche ihres mittelalterlichen Helden in der Identitätskrise. Richard lebt ein ziemlich einsames Leben in einer Villa oberhalb von L.A. Er hat einen Haufen Geld, eine Haushälterin, eine Fitnesstrainerin und eine Ernährungsberaterin. Das war's. Doch dann kommt seine Villa ins Rutschen und sein Leben gleich mit dazu. Unerklärliche Schmerzen und Todesangst sind der Auslöser dafür, dass Richard plötzlich in eine Sinnkrise gerät, seltsame Menschen trifft und sich mit ihnen anfreundet, Heldentaten begeht und versucht, missglückte Beziehungen wie die zu seinem Sohn Ben zu kitten. Das alles in hohem Tempo und mit vielen schrägen Einzelepisoden. Vielleicht kein Buch für die Ewigkeit, aber auf jeden Fall ein Buch für die Midlife-Crisis, spannend, originell und noch dazu ein großer Lesespaß!

Unputdownable

J

Rachel Joyce Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

Seit Monaten steht dieses Buch ganz oben auf den Bestsellerlisten und verkauft sich in dreißig Ländern rund um den Globus. Da es sich ausnahmsweise nicht um einen Krimi oder Vampirroman handelt, macht das neugierig. Die Geschichte des strunzbiederen Harold Fry, der eigentlich nur zum Briefkasten will und dann einfach beschließt, immer weiterzulaufen, ist als Pilgerreise angelegt von Süd- nach Nordengland. Vorhersehbar, dass Harold auf dieser Wanderung sich selbst und seiner Lebensgeschichte begegnet, wie überhaupt vieles in diesem Roman vorhersehbar ist. Zudem werden die (höchst moralischen) Motive und Wandlungen der Hauptfiguren immer sehr deutlich erklärt, so dass man beim Lesen nicht allzuviel kombinieren muss. Das macht den Roman zu einer einfachen, dabei aber absolut spannenden Lektüre, was sicherlich teilweise den Erfolg erklärt. Zum Schluss wartet die Autorin dann doch noch mit ein paar wirklichen Überraschungen auf und verleiht dem Roman damit eine Tiefe und auch Melancholie, die man bis dahin eher vermisst hat. Das ist mutig. Empfehlenswert

K

Karin Kersten Hohe Tannen

"Roman für Freunde" hat die Autorin ihren Roman im Untertitel genannt. Eine Gruppe Jugendfreunde trifft in einem Alter "wo es auf der Kippe steht, ob sie noch einmal wild werden oder sich bescheiden" im fiktiven Harzörtchen Hohe Tannen wieder aufeinander. Einige von ihnen sind nie weggegangen, andere kehren zurück. Aus dieser unspektakulären Ausgangssituation – und allzuviel wird auch nicht passieren in diesem Buch, außer dass es um Freundschaft, Liebe, Sinn und Tod, um Heimat und Zuhausesein geht – macht Karin Kersten eine Geschichte, die so wunderbar, so leicht und gleichzeitig so klug daherkommt, dass man, kaum hat man die letzte Seite gelesen, sofort nach „Hohe Tannen“ fahren will, um Zicki Backla, den Wenner, Arno, Hedel, Lilo, Malte, Erni und den Einsiedler Marcel kennen zu lernen… Unputdownable

Sophie Kinsella Remember me/Kennen wir uns nicht?

Also ich habe wirklich nichts gegen Kitsch. GUTEN Kitsch. Kitsch mit Humor, gern auch ein bisschen frivol, wie ihn beispielsweise Susan Elizabeth Phillips oder Janet Evanovich am laufenden Buchmeter produzieren. Und die Ausgangsidee - ganz normales nettes englisches Mädel wacht nach einem Unfall mit einer Gedächtnislücke von mehreren Jahren auf und ist plötzlich nicht nur reich und hat einen supertollen Typen, sondern auch gar nicht mehr nett - ist ja noch halbwegs originell. Aber was Kinsella daraus macht, ist sowas von unsäglich und vor allem: absolut humorfrei, dass frau sich schon fragt, wie das zum Millionenseller wird. Ein gnadenloses product placement für Gucci & Co. Aber vielleicht auch kein Wunder bei einer Autorin, die sich für die englische Ausgabe in einem Marienkäferkleid ablichten lässt? DQ

L

Katja Lange-Müller Böse Schafe

Mir hat's nicht gefallen, auch wenn das Buch very Berlin und voller very fertiger Helden ist. LVA und zu Oxfam getragen.

Astrid Lindgren Ferien auf Saltkrokan

Dieses Buch ist mein Lieblingsbuch. Ich lese es, seit ich denken kann, immer wieder. Ach, wie gerne wäre man auch auf Saltkrokan, dem Sehnsuchtsort in den Stockholmer Schären, im Schreinerhaus, bei Melcher und Malin. Würde Tjorven kennenlernen und ihren Nödelhund Bootsmann. Würde auf einem Felsen liegen, mit dem Ruderboot hinausfahren und in der Mittsommernacht tanzen. Würde mitleiden und mitzittern und mitlachen, denn Astrid Lindgren war nicht nur eine Freundin der Erwachsenen, Kinder und Tiere, sie hatte auch einen absolut fabelhaften, oft übersehenen Humor. Und weil Familie Melcherson am Ende des Buchs das Schreinerhaus kaufen kann, verbringen sie sicher immer noch ihre Ferien auf Saltkrokan. Eines Tages, ja, da werde ich sie besuchen. Unputdownable

Christine Lehmann Mit Teufelsg'walt

Meist gerät das Jugendamt in die Schlagzeilen, wenn vernachlässigte Kinder sterben. Aber gibt es auch den umgekehrten Fall - dass Kinder ohne wirklichen Grund vom Jugendamt aus ihrer Familie gerissen werden? Eines heiklen Themas hat sich Christine Lehmann da angenommen. Zum achten Mal lässt sie die Journalistin Lisa Nerz in Stuttgart ermitteln, ihre äußerst komplexe, von Selbst- und Identitätszweifeln geplagte Figur ("Weder mein Sortiment von Herrenanzügen, Krawatten und Hemden noch meine Accessoires aggressiver Weiblichkeit wie Lackstiefel, Netzstrümpfe oder Minirock würden heute irgendetwas beitragen können zur Definition von Lisa Nerz. Aber ohne Definition konnte ich nicht auf die Straße."). So komplex wie sie selbst ist auch die Welt, in der sich Lisa Nerz bewegt. Eine Familienrichterin wird ermordet aufgefunden. Die Ermittlungen führen zu privaten Tragödien, zu vielen Opfern und vielen Tätern, zu Erpressung und Korruption, bis zur überraschenden und extrem beklemmenden Auflösung. Letztlich geht es in diesem Roman um die zunehmende Unfähigkeit einer Gesellschaft, so miteinander umzugehen, dass niemand zu Schaden kommt. Pessimistisch, aufrüttelnd, unsentimental, bis auf die etwas zu oft beschriebene Begeisterung von Staatsanwalt Weber für ein Findelbaby.

M

Alexander McCall Smith Die verschmähten Schriften des Professors von Igelfeld

Alexander McCall Smith? Nie gehört? Der in Simbabwe aufgewachsene Professor an der Universität Edinburgh wurde vor ein paar Jahren in Großbritannien mit seiner "No 1 Ladies Detective Agency", zu deutsch "Ein Krokodil für Mma Ramotswe" berühmt. Mit der schwarzen Detektivin Mma Ramotswe, die in Botswana auf unkonventionelle Weise ungewöhnliche Fälle löst, schuf McCall Smith eine äußerst sympathische und originelle Figur. Aktuell ist der Autor in unseren Buchläden mit einer Sammlung von Geschichten präsent, in deren Mittelpunkt der Regensburger Professor von Igelfeld steht, der ein bahnbrechendes Werk über "Unregelmäßige portugiesische Verben" geschrieben hat, das sich leider nicht wirklich gut verkauft. Sie ahnen es schon: Gnadenlos nimmt der Schotte den deutschen (oder weltweiten?) Wissenschaftsbetrieb auf die Schippe, die Eitelkeiten, Konkurrenzkämpfe, Vortragsreisen und Kongresse, aber er tut dies auf so wunderbar leichte und ironische Weise, dass man aus dem Lachen kaum herauskommt. Sein tollpatschiger Held stolpert überdies in Papstaudienzen oder Guerilla-Überfälle. Man muss den Unibetrieb nicht von innen kennen, um an diesem Buch viel Spaß zu haben, zumal es grandios übersetzt ist. Unputdownable

Haruki Murakami Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede

Der japanische Bestsellerautor Haruki Murakami war ein spätberufener Autor und ein spätberufener Läufer. Dass beides viele Gemeinsamkeiten aufweist, beweist er mit diesem sehr persönlichen Büchlein. Sehr unterhaltsam und selbstironisch schreibt er über Disziplin, Durchhaltevermögen, Versagen und Ziele im Leben. Wer schon immer einmal wissen wollte, wie sich ein 100-Kilometer-Lauf anfühlt, erfährt es hier. Für alle, die in ihrer Freizeit gerne laufen, ein Buch, das viel Spaß macht und sich auch nach einem langen Lauf durch Stuttgarts Wälder noch gut wegliest. Die Fotos in der Mitte dagegen ("Aschenbahn an der Tufts University") sind so seltsam, dass sie eher komisch wirken. Nichts für Laufmuffel

P

Leonardo Padura Das Havanna-Quartett

Sie fahren nach Kuba in Urlaub? Dann aber bitte nicht ohne mindestens eines der Bücher von Leonardo Padura im Gepäck! Im Mittelpunkt der vier Romane des Havanna-Quartetts steht Teniente Mario Conde. Der ermittelt in den vier Jahreszeiten: "Ein perfektes Leben", spielt im Winter, "Handel der Gefühle" im Frühling, "Labyrinth der Masken" im Sommer und "Das Meer der Illusionen" im Herbst. Gemeinsam ist allen vier Romanen eine melancholische, pessimistische Grundstimmung. Mario Conde säuft, arbeitet sich am Sozialismus ab, verliebt sich (natürlich unglücklich), und hat meistens nicht viel zu essen, es sei denn, er ist bei seinem besten Freund eingeladen, dem "dünnen Carlos", der in Wirklichkeit gar nicht dünn ist und im Rollstuhl sitzt. Natürlich löst Mario Conde trotzdem seine Fälle, schließlich ist er ein hervorragender Polizist und Teil des Systems, mit dem er gleichzeitig hadert. Leonardo Padura zeichnet ein meisterhaftes Bild von Kuba, das Bild einer Gesellschaft, die in ihrem tiefsten Innern korrupt und zerrissen ist und an ihre eigenen Ideale schon längst nicht mehr glaubt. Manchmal schrammt er hart am Kitsch vorbei, aber das nehmen wir gerne in Kauf.

R

Mercè Rodoreda Auf der Plaça del Diamant

Leider hat es dieser fabelhafte Roman, der bereits 1962 erschienen ist, nicht so recht ins deutsche Lesegut geschafft. Mercè Rodoreda gilt als eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen der modernen katalanischen Literatur. 1909 geboren, ging sie während des Franco-Regimes ins Exil und schrieb dort, nachdem sie sich zwanzig Jahre lang in Schweigen gehüllt hatte, diesen bewegenden Roman über den spanischen Bürgerkrieg. Colometa, eine einfache Frau, heiratet den brutalen Quimet und bekommt zwei Kinder. Quimet geht in den Widerstand und stirbt im Bürgerkrieg. Nun muss Colometa ihre Kinder alleine durchbringen. Erst spät findet sie ein bescheidenes Glück in der Ehe mit Antoni.

Dieser Roman ist keine einfache Kost. Er ist stellenweise sehr traurig und man ist entsetzt über das unglaubliche Leid, das die Bevölkerung Barcelonas im Bürgerkrieg ertragen musste. Gleichzeitig zeichnet Rodoreda das faszinierende Portrait einer Frau, die nicht aufgibt, und bedient sich einer zutiefst poetischen Sprache. Für alle, die nach Barcelona reisen, eine etwas andere Reiselektüre. Unputdownable

J.K. Rowling Ein plötzlicher Todesfall/The casual vacancy

Ich habe mich wirklich sehr auf diesen Roman gefreut, das Buch gleich nach Erscheinen (auf Englisch) gekauft und so ziemlich in einem Rutsch durchgelesen. Ich konnte den Roman nicht deshalb nicht mehr weglegen, weil ich ihn so toll fand. Es ist eher so, dass ich die Lektüre als ziemliche Quälerei empfunden habe.

Der Reihe nach: Ich bin ein großer Harry-Potter-Fan, trotzdem habe ich nicht erwartet, dass ich jetzt gewissermaßen "Harry Potter für Erwachsene" geliefert bekomme. Ich war einfach nur unglaublich gespannt, was Rowling produziert hat, weil ich sie für eine großartige Erzählerin halte, der ich absolut zutraue, "große" Literatur zu schreiben. Die Harry-Potter-Romane sind ja viel mehr als nur Fantasy, es sind Entwicklungsromane mit wunderbar ausgestalteten und vielschichtigen Figuren, die nicht nur einseitig "böse" oder "gut" sind wie beispielsweise in "Herr der Ringe", sondern in denen beides angelegt ist, eben wie im "richtigen" Leben. Auch der "plötzliche Todesfall" agiert mit einer Vielzahl von Figuren, bloß eben in einer realen Welt. Und "real" scheint für Rowling zu bedeuten, dass die Welt lieblos, grausam und brutal ist. In dem rein äußerlich idyllischen Dörfchen Pagford gibt es keine einzige funktionierende Beziehung: Eltern vernachlässigen ihre Kinder, Kinder bzw. Jugendliche sind schon in jungen Jahren komplett desillusioniert, unglücklich und fast durchtriebener als die Erwachsenen, verheiratete Paare hassen und betrügen sich und unverheiratete Paare sind nicht in der Lage, auch nur für kurze Zeit respektvoll miteinander umzugehen. Der ganze Roman, quälende 503 Seiten lang, scheint uns sagen zu wollen: Seht her, der Mensch ist kaputt. Kein Hoffnungsstrahl, nirgends. Nun erwarte ich keinesfalls, dass man mir die Welt in ausschließlich rosaroten Farben malt, aber das ist einfach zu dick aufgetragen - trotz allem Elend in der Welt, trotz allem, was sich Menschen untereinander antun, gibt es doch auch funktionierende und geglückte Beziehungen und Freundschaften! Aber die kommen bei Rowling überhaupt nicht vor, und das ist es, was mich an diesem Roman ärgert. Sie konzentriert sich komplett auf das Negative, so, als wolle sie sagen: Seht her, ich weiß, wie es in der Welt wirklich zugeht. Ihre Figuren scheinen resigniert zu haben, sie scheinen sich gar nicht zu bemühen, ihre Beziehungen zu verbessern. Auch Harry Potter war an vielen Stellen sehr düster und grausam, war aber doch letztlich durchzogen von der Hoffnung, dass das Gute am Ende siegt. Themen wie Freundschaft, Gemeinschaft und Solidarität spielten eine große Rolle. Das muss ja in einem Erwachsenenroman nicht so sein, aber so extrem negativ muss man die Welt auch nicht zeichnen. Außerdem gab's bei Harry Potter viel Humor – und den vermisse ich hier komplett!

Trotzdem liest sich die Geschichte unglaublich spannend, man will doch wissen, wie es weiter- und ausgeht, da alle Figuren miteinander verwoben sind und Rowling nunmal eine wirklich gute Erzählerin ist. Nur bedingt hat mich hingegen überzeugt, dass das ganze Drama so stark vom Tod des "Gutmenschen" Barry Fairbrother, dem "plötzlichen Todesfall", getriggert wird. Auch geht Rowling manches ziemlich platt an, beispielsweise die Entzugsklinik, die von den gutsituierten Bürgern Pagfords, die sich für moralisch überlegen halten, als Übel angesehen wird und deshalb geschlossen werden soll, der böse Drogendealer Obbo... Ziemlich vorhersehbar ist auch, dass die Situation am Ende eskaliert und auf eine Katastrophe hinsteuert - die erscheint dann ziemlich konstruiert. Auf den allerletzten dreißig Seiten gewährt uns Rowling dann doch noch einen klitzekleinen Hoffnungsschimmer – angesichts der Katastrophe(n) wird weniges doch noch ein kleines bisschen gut.

Fazit: Unputdownable ist das Buch schon, aber Lesevergnügen sieht anders aus. Nichts für zarte Gemüter.

S

Daphne Sheldrick An African Love Story. Love, life and elephants

Ich gestehe gleich, dass dies nicht unbedingt ein Lesetipp für jedermann ist. Die Autobiographie der Daphne Sheldrick sollte man nur lesen, wenn man sich für Afrika, seine Tierwelt und das Thema Tierschutz interessiert. Dann aber liest sich ihre Geschichte so spannend wie „Out of Africa“. Daphne Sheldrick wächst in Kenia als Tochter einer südafrikanischen Siedlerfamilie auf. Nach einer unglücklichen Ehe findet sie in dem charismatischen David Sheldrick ihre große Liebe und baut mit ihm zusammen den Tsavo-Nationalpark auf, in dem vor allem Elefanten beheimatet sind. Sheldrick reflektiert die Geschichte Kenias, die politischen Unruhen und den Übergang zur Unabhängigkeit, sie erzählt von den Problemen, den Park und die Elefanten zu schützen, von ihrer großen Liebe zu David, den sie auf tragische Weise viel zu früh verliert und vor allem von den Elefanten selbst, deren Bestand immer wieder von Wilderern oder auch durch die Politik bedroht ist. Was sie über Elefanten erzählt, liest sich unglaublich spannend. Die Intelligenz, das Gedächtnis, die Intuition, die sie den Tieren aufgrund jahrzehntelanger Beobachtung und Handaufzucht zuschreibt, faszinieren. Bis heute widmet die hochbetagte Sheldrick ihr Leben den Elefanten, und der Besuch im Elefanten-Waisenhaus in Nairobi ist für jeden Kenia-Reisenden ein absoluter Höhepunkt und ein Muss.

Heinrich Steinfest Die feine Nase der Lilli Steinbeck

Dieser Krimi ist James-Bond in Buchform, und nicht, dass ich so ein großer Fan von 007 wäre, aber diese Geschichte und ihre schrägen Figuren ist einfach wunderbar durchgeknallt und vor allem: ganz großartig erzählt! Steinfests sprachliche Assoziationen und Vergleiche sind schlicht genial. Unputdownable

Heinrich Steinfest Wo die Löwen weinen

Als bekennende Steinfest-Fanin habe ich den Stuttgart-21-Krimi natürlich verschlungen. Spannend, skurril, sprachlich ein Fest. Ein Steinfest. Und auch wunderbar selbstironisch, wie Steinfest, selbst fleißiger Demo-Gänger, die Stuttgart-21-Gegner charakterisiert: Nirgends auf der Welt hatten die Menschen derart viel Ahnung von Bahnhofsarchitektur, Gleiswesen, Fragen der Statik und Tektonik, der Finanzmathematik und Steuerkalkulation, der Luftbelastung im Zuge städtischer Verbaustellung und was da sonst noch dazugehörte. Unputdownable

Kathryn Stockett The Help (deutsch: Gute Geister)

Dieses Buch wurde vor allem durch seine Verfilmung bekannt. Ich habe den Film nicht gesehen, kann aber nur empfehlen: Lesen Sie dieses Buch! Es ist packend, dramatisch, spannend und immer wieder schockierend. Der Roman spielt 1962 in Jackson, Mississippi, und sein Thema ist der ganz alltägliche Rassismus in den Südstaaten. Erzählt wird aus drei Perspektiven, die der weißen Tochter eines Plantagenbesitzers, Eugenia Phelan, genannt Skeeter, und die der beiden schwarzen Hausmädchen Minny und Aibileen. Skeeter hat sich in den Kopf gesetzt, ein Buch über die Lebens- und Arbeitsbedingungen der schwarzen Hausmädchen zu schreiben. Das erweist sich als nahezu unmögliches und auch sehr riskantes Unterfangen. Doch allmählich gewinnt sie nicht nur das Vertrauen von Minny und Aibileen, sondern auch zahlreiche andere Hausmädchen sind bereit, von ihren alltäglichen Diskriminierungen und Erniedrigungen als Menschen zweiter Klasse zu berichten. Das Buch erscheint – und hat dramatische Folgen für alle Beteiligten. Am Ende hat sich das Leben aller drei Erzählerinnen radikal verändert… Spannend wie ein Krimi, fantastisch geschrieben, kurz: unputdownable

Vikas Swarup Six suspects/Immer wieder Gandhi

Der Autor von "Slumdog millionaire" hat einen Krimi vorgelegt, der ein bisschen wie Agatha Christie funktioniert: der korrupte Sohn eines Spitzenpolitikers wird auf einer Party erschossen. Sechs Menschen werden festgenommen. Diese Menschen könnten unterschiedlicher nicht sein, aber sie haben eines gemeinsam: Sie alle haben eine Waffe, und sie alle haben ein Motiv. Nach und nach werden die Lebensgeschichten der sechs Personen aufgerollt, die teilweise auch miteinander verwoben sind. Dabei entsteht ein buntschillerndes Mosaik des heutigen Indien, faszinierend, atemberaubend, brutal und spannend bis zur letzten Seite...(leider noch nicht auf Deutsch) Superspannend

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Nilgün Tasman Ich träume deutsch und wache türkisch auf

Die wunderbare Geschichte der kleinen Nilgün, die als "typisches" Gastarbeiterkind in Göppingen aufwächst. Niemand scheint zu begreifen, dass Nilgün nur einen Wunsch hat: in beiden Welten zu Hause zu sein, in der türkischen und in der deutschen. Überall stösst sie auf Unverständnis, aber Nilgün lässt sich nicht kleinkriegen… Ein sehr anrührendes Buch, das einen abwechselnd zum Lachen und zum Weinen bringt. Unputdownable

Sue Townsend The woman who went to bed for a year

Sue Townsend is one of Britain's most popular comic writers. Her "Secret Diaries of Adrian Mole" are modern classics everybody knows. "The woman who went to bed for a year" is a bestseller in Britain at the moment - let's hope it gets translated soon! Townsend tells the story of Eva Beaver, a middle-aged woman, who one day is so fed up with everyday life that she climbs into bed - and stays there. She doesn't have a real plan, it's a spontaneous decision, and of course her husband and family think she is completely mad and very, very selfish, because who is cooking the meals now? Eva starts organizing her life from bed, but with increasing difficulties… I don't want to spoil the story, read it yourself. But what starts as a really funny tale gradually turns into a more dramatic story, and it's pretty obvious that Townsend thinks that it's modern life, modern families, relationships, media and the social networks that are truly mad. Most of Townsend's characters in this book are not very nice and not very understanding as far as Eva' strange behaviour is concerned, but this book is also a lot about love and friendship. Don't miss it!

Anne Tyler: Back when we were Grownups (dt. Damals, als wir erwachsen waren)

This is not a must-read, but a good read about Rebecca Davitch, who at the age of fifty-three suddenly realizes her life is not at all what she wanted it to be. After the early death of her husband, she devotes her life to her stepdaughters and her husband's party business. And then - midlife crisis. As Rebecca starts to reconsider her life and meets her ex-fiancé, she realizes that neither nostalgia nor resentment for what could have been are really helpful - maybe her life isn't so bad after all... I liked the book, but in a way I wasn't so sure what the central idea was - in a way I wanted Rebecca to do something about her life and not just feel sorry for the what-could-have-beens. Not among the 100-novels-to-read-before-you-die, but a good read

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Ulrike Ulrich Fern bleiben

Dies ist ein ganz wunderbares Buch nicht nur für Zugfans, aber ganz besonders für diese. Lo hat Geld gewonnen, ihren Job gekündigt und geht auf Reisen. Eigentlich will sie nach Rom, aber als sie aus dem Zug steigt, ändert sie plötzlich ihre Meinung und steigt in den nächsten Zug. Und nun fährt sie also, quer durch Europa, schläft in überfüllten Liegewagenabteilen, ißt in schlechten Speisewagen, trifft die unterschiedlichsten Menschen und denkt über sich und ihr Leben nach. Sie steigt auch aus, ab und zu, aber sie besichtigt nicht, sie lässt sich treiben. Hier ist der Weg das Ziel, die Städte sind Bahnhöfe, die die Richtung ändern, mal nach Süden, mal nach Norden, bis Lo dann doch ungewollt in Wien hängenbleibt, aber mehr soll hier nicht verraten werden, außer, dass Ulrike Ulrich noch so wunderbare Wörter wie "Lesezirkeltraining" erfindet. Unputdownable

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Juli Zeh Adler und Engel

Ein Buch, das mich ratlos macht. Ein verstörendes Buch, von dem ich noch nicht weiss, ob ich es zu Ende lesen werde und ob es mir gefällt oder nicht.