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Insel

Natalia war für ein paar Tage auf eine Nordseeinsel gefahren und hatte die Hose mitgenommen, obwohl Winter war und sie wusste, dass die Hose, die eigentlich eher eine dünne Hose war, für das rauhe Klima und den strengen Wind nicht gemacht war, aber sie hatte sie nicht schon wieder allein lassen wollen. Es ging dann besser als gedacht, weil sie über die Hose noch eine winddichte Regenhose zog.

Viele Stunden ging Natalia über die Insel, die Hosenbeine in Gummistiefel geschoben, lief sie am Strand entlang, immer an der Wasserkante, und manchmal musste sie schnell weglaufen, wenn ihr das Wasser über die Stiefelkante zu schwappen drohte. Der kalte Wind schob sie mal vor sich her, mal blies er ihr streng ins Gesicht und manchmal legte er ihr sanfte Kräuselwellen zu Füßen. Ab und zu bückte sich Natalia, um eine besonders hübsche Muschel aufzuheben. Wenn sie von ihren Streifzügen zurückkehrte, wärmte sie sich mit heißem Tee und verbrachte die Abende damit, die Bücher zu lesen, die sie seit Monaten anklagend angesehen hatten. Viel früher als sonst überkam sie eine wohlige Mattigkeit und sie schlief tief, traumlos und lange. Eine sanfte Heiterkeit lag über der Insel, weil fast alle Menschen dort ihren Urlaub verbrachten, und sie lächelten Natalia glücklich zu, wenn sie ihr am Strand begegneten, und Natalia lächelte glücklich zurück.

Es gab keinen Autoverkehr auf der Insel, was für Natalia kein großer Verlust war, da sie auch in ihrer Heimatstadt ohne Auto auskam, was viele Menschen nicht verstehen konnten. Als Natalia und die Hose nach Hause zurückkehrten, fiel es ihnen schwer, sich wieder daran zu gewöhnen, an die Blechlawinen, die schlechte Luft und die zugeparkten Gehwege. Beim Einschlafen, das nun wieder viel schwieriger war, versuchte sie den Wind zu spüren und das Meer zu hören, und fast zwei Wochen lang schaffte sie es auch.

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