Solo für Sauna
Wenn ich mich vollkommen und absolut entspannen will, gehe ich in die Sauna. Kräftig schwitzen, danach ins kalte Tauchbad, warmes Fußbad und auf die Liege mit einem Schmöker - gibt's was Schöneres? Am besten entspanne ich mich, wenn ich mich nicht unterhalten muß. Also gehe ich am liebsten allein.
Einen festen Termin habe ich nicht, drum lande ich manchmal in der gemischten Sauna. Nicht, daß mich das stört. Aber MANN stört MICH.
Ganz offensichtlich ist der weibliche Saunaalleingang in gemischter Runde nicht sehr verbreitet (ich sehe jedenfalls nie andere Frauen, die allein sind, und mittlerweile weiss ich auch, warum). Und der männliche Saunierer, egal ob als Einzelkämpfer oder im Rudel, registriert es sofort: Keine tratschende Freundin neben sich auf der Schwitzbank? Kein Freund, mit dem sie knutschend im Whirlpool hängt? Also los... Nein, ich werde nicht plump angebaggert. Die Sauna mit ihrer ungenierten Nacktheit zwingt schließlich zur Diskretion. Vielmehr scheint die Hitze uralte Instinkte auszulösen, die der neue Mann angeblich längst im Griff hat: Die Rede ist vom männlichen Imponiergehabe, ein Getue, für das selbst Frau Neanderthaler selten mehr als ein verständnisloses Kopfschütteln übrig hatte, und nun, ein paar Jährchen später, bin ich das umbalzte Weibchen. Und nicht etwa deshalb, weil ich einen body hätte wie Claudia Schiffer oder Rehaugen wie Verona Pooth geb. Feldbusch, sondern weil ich da bin. Allein. Das sieht dann ganz konkret so aus:
Der Mann zu meiner Linken im warmen Entspannungsbecken stellt, um mich zu beeindrucken, gerade den Weltrekord im Tauchen auf. Nach sechs Minuten steigen keine Luftblasen mehr hoch. Einen Moment lang überlege ich, ob ich "Sanitäter, Sanitäter!" brüllen soll, lasse es dann aber bleiben. Schließlich habe ich ihn nicht um diese Mutprobe gebeten.
Als er endlich wieder auftaucht, schaut er natürlich sofort in meine Richtung, aber weil ich hartnäckig geradeausstarre, kann ich seinen enttäuschten Blick nicht sehen, der daher rührt, dass ich ihn nicht bewundernd anschaue. Jetzt aber kommen tatsächlich ein Sanitäter und der Bademeister angerannt, weil der Dauertaucher mit einem leisen Röcheln bewußtlos weggekippt ist. Die Retter werfen sich mitsamt ihren Kleidern ins Wasser, mit einem wilden Blick in den Augen, als ob Krokodile im Becken wären, und tragen den Helden auf einer Bahre im Laufschritt hinaus, wobei sie beinahe gegen den Türrahmen krachen, weil der vorne laufende Bademeister sich beifallsheischend nach mir umgesehen hat.
Unterdessen hat ein anderer Saunaman einen Salto vorwärts ins kalte Tauchbecken einstudiert, welchselbiges sich rechts von meinem wohlig-warmen Entspannungsbecken befindet, und führt sein Kunststück mit unermüdlicher Begeisterung so lange vor, bis das ganze kalte Wasser aus seinem Becken in mein nunmehr lauwarmes geschwappt ist und er deshalb enttäuscht aufhören muß. Ein dritter Vertreter des männlichen Geschlechts, soeben der finnischen Sauna entstiegen, baut sich vor meinem Becken auf und wringt den Schweiß aus dem Handtuch, dass der Bizeps nur so schwillt und sich zu seinen Füssen ein entzückendes Pfützlein bildet.
Jetzt fliehe ich. Ich fliehe auf einen Liegestuhl. Um dort anzukommen, muß ich an der Bar vorbei, wo sofort alle Männer John-Wayne-Haltung auf ihren Hockern einnehmen und Fruchtsäfte und Energydrinks umklammern, als ob es schottischer Whisky sei, die Hand geht unvermittelt an die rechte Hüfte, wo man auf der nackten Haut einen Revolvergurt ahnen kann.
In den Ruheraum! Links und rechts drei freie Liegen! Ins Handtuch wickeln, Walkman in die Ohren, Buch vor die Nase und hoffen, daß man mich für einen Mann hält! Ich nicke erschöpft ein. Ich wache auf, weil meine Walkman-Batterie alle ist und ich nun die Gespräche über Cabrios anhören muß, die die scharenweise links und rechts von mir liegenden Männer über meinen Kopf hinweg führen.
Sauna? Entspannung? Vergessen Sie's. Ich versuch's in Zukunft mit Minigolf. Richtige Männer spielen schließlich nur richtigen Golf.
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